In memoriam Marie-Margot Drescher (1924-2021)

Die Textilwerkstatt am Elisabethenstift gGmbH trauert um Marie-Margot Drescher die ihr am 30. September 2021 im Alter von 97 Jahren in Bad Essen (Westfalen) verstorben ist. Die am 23. Mai 1924 in Bebenhausen auf der Schwäbischen Alb geborene Paramentikerin leitete von 1956 bis 1985 die Paramentenwerkstatt am Elisabethenstift Darmstadt. Von ihrer Ausbildung her war sie Handwebmeisterin und hatte im Kloster St. Marienberg in Helmstedt noch zusätzlich eine Ausbildung zur Handstickerin mit anschließender Meisterprüfung abgelegt. 


Als Werkstattleiterin in Darmstadt und als Vorstandsmitglied der Marienberger Vereinigung für Paramentik e.V. war sie entscheidend im Bereich der Aus- und Fortbildung engagiert. So ist ihr die Entwicklung einer mit der Gesellenprüfung abzuschließenden Ausbildungsordnung für Paramentikerinnen in Zusammenarbeit mit Handwerkskammer und Berufsschule zu verdanken. Insgesamt konnte sie 21 Lehrlinge in der Paramentik ausbilden, eine Handweberin und einen Handweber (der einzige männliche Lehrling) und 19 Paramentenstickerinnen. Teil der von ihr entwickelten (bundesdeutschen) Ausbildungsordnung war für die Paramentik der im dritten Lehrjahr vorgesehene Unterricht in Kirchengeschichte, Bibelkunde, Liturgie und Kunstgeschichte. Diese Fächer wurden kirchenintern gelehrt und mit einer eigenständigen kirchlichen Prüfung abgeschlossen. Bei dieser dualen Ausbildung durch Ausbildungsbetrieb und Berufsschule nahmen die Lehrlinge an der fachtheoretischen Ausbildung in der Fachklasse der Schneiderinnen (ein Abkommen mit der Berufsschule) teil, die in der Werkstatt durch paramentenspezifische Theorien und Techniken ergänzt wurde. 

Marie-Margot Drescher pflegte darüber hinaus als Vorstandsmitglied der Marienberger Vereinigung die jährlich abgehaltenen Paramententage als entscheidendes Forum der Weiterbildung, an dem selbstverständlich immer auch die Lehrlinge teilnehmen durften. In den Jahren der deutschen Trennung engagierte sie sich dafür, dass die Verbindung zu den Paramentik-Werkstätten in der DDR nicht abriss. 1990 und 1991 schließlich sorgte sie auch dafür, dass drei Auszubildende aus den Neuen Bundesländern einen Teil ihrer Ausbildung in Darmstadt absolvieren und die staatlich anerkannte Gesellenprüfung ablegen konnten. 
Im Rückblick wegweisend war für den Einsatz von Marie-Margot Drescher auch die enge Zusammenarbeit mit bildenden Künstlern, Theologen und Architekten. Zu ihnen zählten unter anderem der Bildhauer Helmuth Uhrig, der Theologe und langjährige Vorsitzende der Marienberger Vereinigung Professor Dr. Peter Poscharsky, Dr. Waldemar Wucher als Kunstreferent der Evangelischen Akademie Arnoldshain und der Wiener Architekt Ottokar Uhl. 
Bis zuletzt hat Marie-Margot Drescher noch Kontakt zu ihren Ehemaligen und ihrer früheren Werkstatt in Darmstadt gehalten und interessiert an der Entwicklung der Paramentik wie der Marienberger Vereinigung teilgenommen. Mit ihr geht eine der prägenden Pionierinnen der evangelischen Paramentik der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Die Textilwerkstatt und der Vorstand der Marienberger Vereinigung für Paramentik e.V. gedenkt der Verstorbenen in Dankbarkeit für ihren Einsatz und befiehlt sie der Gnade des dreieinigen Gottes an, dem sie mit ihrem künstlerischen Einsatz als Paramentikerin ein Leben lang dienen und andere für diesen Dienst begeistern wollte.